Überdrehter Welpe nach Abholung

  • Isabel Scheu
  • 13.03.2026
  • Abholung Welpe vom Züchter

Was du tun kannst, wenn dein Welpe nach der Abholung völlig überdreht ist

Du hast alles vorbereitet, freust dich riesig – und dann das: Dein Welpe dreht völlig auf. Er springt umher, beißt in alles, fiept, kommt nicht zur Ruhe. Keine Spur von der kuscheligen Ankunft, die du dir gewünscht hast. Vielleicht bist du verunsichert oder sogar enttäuscht. Aber: Diese Reaktion ist nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil – sie ist fast zu erwarten. Denn hinter diesem scheinbar wilden Verhalten steckt kein „Ungehorsam“, sondern Stress. Tiefer, emotionaler Stress, den dein Welpe noch nicht anders verarbeiten kann. In diesem Beitrag erfährst du, was hinter dem Überdrehen steckt – und wie du liebevoll und wirksam reagieren kannst.

Warum Welpen nach der Abholung so überdrehen

Die Abholung ist ein massiver Einschnitt im Leben deines Welpen. Neue Umgebung, neue Menschen, neue Gerüche – und vor allem: der Verlust seiner Mutter und Geschwister. Sein System steht unter Hochspannung. Was du als „aufgedreht“ empfindest, ist oft eine Mischung aus Adrenalin, Unsicherheit und emotionaler Überforderung. Welpen, die scheinbar „zu viel Energie“ haben, versuchen oft einfach nur, mit der Situation umzugehen – durch Bewegung, Bellen, Beißen oder ständiges Hin- und Herlaufen.

Übersprungverhalten – wenn das Nervensystem überläuft

Ein überdrehter Welpe zeigt oft sogenanntes Übersprungverhalten: Er kann sich nicht entscheiden zwischen Rückzug und Kontakt, zwischen Neugier und Angst – und springt stattdessen in ein unkoordiniertes, oft hektisches Verhalten. Das ist kein Zeichen von Charakter oder Temperament, sondern eine normale Reaktion des Nervensystems auf Reizüberflutung. Besonders in den ersten Stunden im neuen Zuhause ist dieses Verhalten häufig – und völlig nachvollziehbar.

So schenkst du Ruhe – durch Nähe und Klarheit

Bleib selbst ruhig: Auch wenn dein Welpe dich nervös macht – deine Energie überträgt sich. Atme tief durch, bewege dich langsam, sprich leise.

✓ Schaffe Reizarmut: Kein Spiel, kein neues Spielzeug, kein Besuch. Räume leise, dimme das Licht, schalte den Fernseher aus – weniger Reize bedeuten weniger Stress.

✓ Biete Körperkontakt an – aber zwing ihn nicht: Setz dich ruhig auf den Boden, leg eine Decke neben dich und biete ihm an, bei dir zur Ruhe zu kommen. Wenn er will, wird er sich anlehnen oder sogar auf dich legen. Diese Nähe wirkt wie Medizin.

Begrenze den Raum: Manchmal hilft es, den Welpen nicht in die ganze Wohnung zu lassen. Ein kleiner Bereich gibt mehr Sicherheit als zu viel Freiheit. Struktur beruhigt.

✓ Vermeide hektisches Eingreifen: Wenn dein Welpe in Gegenstände beißt oder herumrennt, leite ihn sanft um – ohne Schimpfen oder abruptes Anfassen. Nimm ihn ruhig auf den Arm, sprich leise und bleib bei ihm.

Was du nicht tun solltest

Versuche nicht, deinen Welpen „auszutoben“. Kein wildes Spiel, kein langes Gassi-Gehen, keine Stimulation. Was er braucht, ist kein Ausgleich – sondern Regulation. Je mehr du „noch draufpackst“, desto länger dauert es, bis sein Nervensystem herunterfährt. Auch harte Erziehung oder „Grenzen setzen“ sind jetzt fehl am Platz. Er braucht Führung, ja – aber sanft, verlässlich und geduldig.

Ruhe als Beziehungssprache

Wenn du es schaffst, deinem Welpen durch deine eigene Ruhe Sicherheit zu geben, wird er sich schneller entspannen. Oft genügt es, einfach da zu sein. Nicht reagieren, nicht bewerten, nicht fordern. Dein Atem, deine Stimme, deine Körpersprache – all das wirkt beruhigend, wenn es aus einem echten Gefühl von Gelassenheit kommt. Diese ersten Stunden sind der Anfang eurer Kommunikation – und sie beginnt nicht mit Worten, sondern mit Haltung.

Fazit: Überdrehen ist ein Hilferuf – du kannst ihn beantworten

Wenn dein Welpe nach der Abholung völlig überdreht wirkt, zeigt er dir eigentlich nur eines: Ich bin überfordert. Ich brauche Halt. Ich weiß nicht, wohin mit mir. Und genau das ist dein Moment. Du kannst ihm helfen – nicht durch Aktion, sondern durch Reduktion. Durch Nähe. Durch Ruhe. Und durch das Gefühl: „Ich sehe dich – und ich bleibe.“ Damit legst du den Grundstein für eine tiefe Bindung – und hilfst deinem Hund, die ersten Herausforderungen seines neuen Lebens mit Zuversicht zu meistern.

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